Kreative Viecher (Anthologie)

Hinterher konnte Angelika nicht mehr sagen, wie das schwere Buch in ihrer Hand gelandet war. Sie wusste nur noch, dass es der Duden gewesen sein musste – leuchtend gelb. Einen Augenblick später fiel die Fremde mit einem lauten Poltern zu Boden. Die Brille flog ihr von der Nase und schlitterte unter Angelikas Bett. Sie selbst stand laut keuchend in der Mitte des Raumes, den Duden noch immer fest umklammert.„Hallo?“, fragte sie leise in den Raum hinein.
Die Fremde rührte sich nicht.
Angelika ließ sich zitternd in die Hocke sinken. Die Augen der Frau waren geschlossen. Wie in Zeitlupe legte Angelika zwei Finger an den Hals der Frau und fühlte nach dem Herzschlag, so, wie es ihr Mordkommissar Tim getan hätte. Kein Puls.
Panik stieg in Angelika auf. Die Welt begann sich zu drehen. Sie ließ sich nach hinten fallen, mit dem Rücken gegen den Kleiderschrank, und japste.
Was hatte sie nur getan?
Sie hatte ihren inneren Kritiker umgebracht.

(aus: “Mörderisches Gelb”, in der Anthologie “Kreative Viecher”, Wien 2018)

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